Engelhardt, Thomas
Studium von Geschichte, Soziologie, Politologie, Germanistik und Philosophie an den Universitäten Freiburg und Erlangen-Nürnberg. Nach Staatsexamina für das Lehramt an Gymnasien Mitwirkung am Aufbau des Museums Industriekultur in Nürnberg. Von 1985 bis zum Ruhestand 2015 am Stadtmuseum Erlangen zunächst als wiss. Mitarbeiter und dann als dessen Leiter tätig. In dieser Zeit richtete er zahlreiche Ausstellungen zur Stadt- und Kulturgeschichte aus, oft in Zusammenarbeit mit der Universität. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Erlanger Stadtgeschichte. Während der letzten Jahre konzentrieren sich seine Untersuchungen auf die Heil- und Pflegeanstalt Erlangen und die Krankenmorde der NS-Zeit. Seit 2022 ist er zweiter Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Erlangen.
Nationalsozialismus
Während der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs wurden die Burgbergkeller im Auftrag des NS-Regimes ausgebaut, um kriegswichtige Fertigungsstätten bombensicher unterbringen zu können. An dem Untertage-Verlagerungsprojekt mit dem Decknamen „Erna“ waren die Siemens-Reiniger-Werke, Gossen und Unternehmen aus anderen Regionen beteiligt. Der Referent stellt die wichtigsten Ergebnisse seiner umfangreichen Recherchen zum Thema vor und geht dabei auch auf das Schicksal der Zwangsarbeiter ein, die beim Kellerausbau eingesetzt waren.
Der Vortrag vermittelt neue Einblicke in den Ablauf der „T4“-Aktion, die Umsetzung des Hungerkosterlasses und die katastrophalen Anstaltsverhältnisse bei Kriegsende. Darüber hinaus werden die Einstellungen und Motive der Anstaltsleitung deutlich, die für die Krankenmorde mitverantwortlich war. Grundlage hierfür sind u. a. persönliche Aufzeichnungen des Direktors Einsle, darunter sein Terminkalender 1945, das Gefängnistagebuch und seine Gelegenheitsgedichte. Bemerkenswert ist auch ein langer Brief an Heinrich Lades (später Erlanger OB), in dem Einsle jenseits bloßer Schuldabwehr seine NS-Vergangenheit reflektiert.