Keller, Dr. Nikola
„Freilich habe ich mich sehr gewundert, dass [...] die Frauen so wenig galten“. Schon im 14. Jahrhundert bemängelt Giovanni Boccaccio, dass kunstschaffende Frauen nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen gebührt. Diese Verwunderung stellt sich auch bei der Lektüre des dem Kunstschaffen gewidmeten literarischen Genres ein: dem Künstlerroman oder der -novelle. An der Seite des genialen Künstlers finden weibliche Figuren vielfach nur als Musen, Modelle, Geliebte oder Versorgerinnen Eingang in die Narration. Doch so wie es erfolgreiche Malerinnen gibt, finden sich auch literarische Texte, die weibliche künstlerische Selbstverwirklichung zum Gegenstand haben. Der Vortrag ist Malerinnenfiguren in Romanen von Gabriele Reuter, Helene Böhlau, Franziska zu Reventlow und Hedwig Dohm gewidmet: ihrem Ringen mit gesellschaftlichen Regulationsmechanismen und innovativen Ausdrucksformen wie dem weiblichen Selbstakt, der literarisch realisiert wird, bevor er seinen Weg auf die Leinwand findet.