Studium generale am Abend: Bildung zwischen Ideal und Wirklichkeit

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15 Abende


8. Oktober 2019
Bildung: Ein Menschheitsthema


Dr. Otto Böhm
Nachdenken über Bildung kann auf einen Kanon der Bildungsgeschichte zurückgreifen: Von Platons Paideia über Ciceros Rhetorik und die septem artes liberales des Mittelalters bis zum Humanismus der Renaissance und dem humanistischen Gymnasium des Wilhelm von Humboldt. Doch weshalb stützen wir uns beim Nachdenken über Bildung auf diesen Kanon? Inwiefern profitieren wir bis heute von den Gedanken unserer Vordenker? Was sagt die Auswahl, die sich über die Jahrhunderte herausgebildet hat, über uns Heutige aus? Und weshalb verdient die Bildung den Status eines Menschenrechts? Darüber soll zum Auftakt des Semesters reflektiert werden.

15. Oktober 2019
Klöster, Städte, Stände: Was prägte das Schulwesen im Mittelalter?


Joachim Peters M.A.
Der Vortrag spannt einen Bogen von der Bildungsarbeit merowingischer und karolingischer Klöster über das Schulwesen des Früh- und Hochmittelalters bis hin zu den veränderten Rahmenbedingungen von Schule in den an Bedeutung gewinnenden Städten. Dabei werden verschiedene gesellschaftliche Gruppen in den Blick genommen: Der geistliche Stand, Kaiser, Könige und Fürsten, der Ritterstand, Händler und Kaufleute und schließlich die Bildung im Rahmen der Dorfgemeinschaft. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf unterschiedlichen Formen der Beschulung, der Alphabetisierung in der Bevölkerung und dem Verhältnis von Deutsch und Latein.

22. Oktober 2019
Aus der Geschichte lernen? Über Grenzen und Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit der Historie


Dr. Markus Frankl
Anhand von verschiedenen kulturellen und politischen Beispielen aus dem Bereich der mittelalterlichen Geschichte (ca. 500 bis 1500) soll versucht werden, den grundlegenden Fragen nachzugehen, ob bzw. was man überhaupt aus der Geschichte zur Gestaltung der Zukunft lernen kann oder ob der Sinn der Auseinandersetzung mit Geschichte vielleicht nicht doch primär in der Verortung in eigenen Traditionslinien oder der Kulturgeschichte liegt. Die Beschäftigung mit dem in unserem Alltag allerorts - sei es verborgen oder ganz offensichtlich - gegenwärtigen Mittelalter kann helfen, die Präsenz und Aktualität dieser Epoche wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken und so nutzbar für die sich stetig wandelnde Gegenwart mit ihren komplexen Bezügen zu machen.

5. November 2019
Freimaurerei: Die Arbeit am rauen Stein


Andreas Plöger M.A.
Goethe, Tucholsky, Stresemann, Roosevelt. Was sie verbindet: sie alle waren Freimaurer. Kaum eine Vereinigung ist so von Mythen und wilden Verschwörungstheorien umgeben wie die Freimaurerei. Ihre Geschichte ist eng verknüpft mit dem Aufkommen der modernen Bürgergesellschaft, reicht aber bis in die frühe Neuzeit zurück. Im Fokus ihrer Rituale und Symbolwelt steht die Arbeit am rauen Stein. Diese versinnbildlicht die Selbstbildung und -erziehung des Menschen. Der Vortrag gibt einen knappen Abriss zur Geschichte und Gegenwart der Freimaurerei sowie der Symbolwelt und Praxis der Logen.

12. November 2019
100 Jahre Waldorfpädagogik - Grundlagen und praktische Ausgestaltung einer weltweiten Pädagogik für den Menschen


Dr. Hans Moritz
Die Waldorfschulbewegung mit gegenwärtig 1151 Schulen in allen Kulturbereichen und Erdteilen feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Die praktischen Erfolge der Waldorfpädagogik - auch ihre gesundheitsfördernde Wirksamkeit - sind durch zahlreiche empirische Untersuchungen hinreichend erwiesen. Gleichzeitig steht diese Pädagogik unter hohem Beobachtungsdruck. Kritik bleibt hier nicht aus. Wie die Waldorfpädagogik Tradition und Innovation zu verbinden versucht, wo ihre gesellschaftlichen sowie weltanschaulichen Wurzeln liegen und wie sie in der Praxis ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllt, dem soll der Vortragsabend gewidmet sein.

19. November 2019
Lob der Unbildung: Ist Wissen immer gut?


Dr. Heinz Neumann-Riegner
Lob der Unbildung an einer Volks-Hochschule? Nun, so ganz unbefragt sollte man tatsächlich Bildung nicht lassen. Welche Bildung tut in digitalen Zeiten not? Und gibt es nicht konkurrierende Vorstellungen von Bildung? Soll etwa ein Loblied auf die Dummheit gesungen werden? Vielleicht ist aber die Frage nach dem Wert der Unbildung ein besonders guter Nährboden für ein fruchtbares Nachdenken über Sinn und Unsinn aller Bildungsbemühungen. Wie "primitiv" dürfen und sollen wir wieder werden? Gehört den Ungebildeten die Zukunft?

26. November 2019
Wahrnehmen und Gestalten. Die Rolle von Kunst und Kultur für die Bildung


Prof. Dr. Eckart Liebau
Die Künste eröffnen Wahrnehmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, die in Produktion und Rezeption immer wieder und immer neu Herausforderungen darstellen können, mit Unerwartetem und auch Unverständlichem umzugehen, aber auch und gerade mit Bekanntem, Gewohntem und Gekonntem, mit Übung und Wiederholung. Dies gilt für Theater, Bildende Kunst, Literatur und auch Musik. Rezeption und Produktion kennen keine Perfektionsgrenzen - alles ist anders, alles ist besser möglich. Bildung ist und bleibt ein offener Prozess.

3. Dezember 2019
Vom Philanthropismus bis zu Montessori: Theorie und Anwendung einer Pädagogik vom Kinde aus


Sonja Pohl M.A.
Im 18. Jahrhundert kam es - angeregt von Rousseau - zu einem Umdenken in der Pädagogik: Man erkannte, dass man das Kind als Kind, nicht als "kleiner Erwachsener" zu behandeln habe. Dies mündete in den Philanthropismus (Basedow, Campe), eine "Schule der Menschenfreunde", fand in Pestalozzis "Kopf, Herz und Hand" seinen Ausdruck und wird in der Reformpädagogik (Montessori, Petersen) weitergedacht. Was ist davon geblieben, was hat sich bewährt in der heutigen Unterrichtspraxis?

10. Dezember 2019
Bauhaus-Pädagogik: Die Schaffung des neuen Menschen


Apl. Prof. Dr. Peter Bernhard
Das Bauhaus erstrebte eine Verbesserung des Lebens mittels Design und Architektur - die erste Hochschule für Gestaltung war damit eine Hochschule für Lebensgestaltung. Als dazu erforderlich betrachtete man einen neuen Typ von Gestalter, der am Bauhaus ausgebildet werden sollte. Die hierzu entwickelte Bauhaus-Pädagogik ist heute weltberühmt und wurde vielfach kopiert. In dem Vortrag wird dieses besondere Lehrkonzept mit seinen Eigenheiten vorgestellt.

17. Dezember 2019
Ist Moral im Ethikunterricht lehrbar? Bayerische Auseinandersetzungen um ein schwieriges Fach


StD Dr. habil. Stefan Applis
Bayern war 1972 das erste Bundesland, in dem das Schulfach Ethik eingeführt wurde. Die Teilnahme am Ethikunterricht ist in Bayern für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen und aller Schularten verpflichtend, wenn kein Religionsunterricht besucht wird. Zwar besteht ein sehr hoher Bedarf an Lehrkräften für das Schulfach Ethik, doch gibt es in Bayern nach fast fünfzig Jahren Ethikunterricht noch immer keine angemessene Ausbildung hierfür. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Lehrkräfte, denn im Ethikunterricht potenzieren sich im Zuge der Globalisierung Herausforderungen im Umgang mit kultureller Vielfalt und dem Wertepluralismus. Der Vortrag gibt Einblick in grundlegende Entwicklungslinien und formuliert Ideen für eine Neuorientierung des Faches Ethik in Bayern.

7. Januar 2020
Wissen weitergeben: Mehr Zuhörer erreichen durch kompetentes Sprechen


Stefan Rieger
Rhetorik, die Kunst des Sprechens, ist essentiell für die Vermittlung von Wissen und auch Meinung. Für Berufe, in denen Bildung überwiegend mündlich vermittelt wird, ist eine umfassende Ausbildung im Sprechen von Vorteil. Ein gehobener sprachlicher Ausdruck vermittelt glaubwürdig Bildung und Seriosität. Erst wenn das Sprechen eine lebendige und bewusste Aktion zwischen Redenden und Zuhörenden ist, kann Inhalt störungsfrei vom einen zum anderen gelangen. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Wirkung von passender Stimme und von präzisen Formulierungen durch korrekte Verwendung von Grammatik und Wortschatz. Sie lernen Möglichkeiten der Stimmausbildung und Artikulationsschulung kennen und hören dazu zahlreiche Beispiele und Übungen aus dem universitären Alltag des Dozenten.

14. Januar 2020
Schultheater in der Postdigitalität: Position im Spannungsfeld ästhetischer, kultureller und digitaler Bildung


StDin Sabine Köstler-Kilian
Digitale Infrastrukturen und die damit verbundenen Praktiken sind im Alltag längst angekommen. Digitale Bildung in der Schule wird momentan aber (immer) noch zu einseitig technologisch-technizistisch gesehen. Dabei ist Digitalisierung vielmehr als kultureller Prozess zu verstehen, der sich auf Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster auswirkt und damit kulturelle Veränderungen hervorbringt. Über diese Entwicklung im zwischenmenschlichen und (inter-)kulturellen Bereich zu reflektieren, hierin liegt das Potential von Schule und Theater in der postdigitalen Zeit.

21. Januar 2020
Digitale Zeiten: Wie verändert die Digitalisierung das Bildungssystem?


Apl. Prof. Dr. Eckart Severing
Wenn heute von Digitalisierung die Rede ist, dann steht in der Regel die Frage im Vordergrund, welche erweiterten Kompetenzen eine digitalisierte Lebens- und Arbeitswelt notwendig machen werden und wie das Bildungssystem sie vermitteln kann. Weniger beleuchtet wird, dass Digitalisierung für viele Menschen Dequalifizierung bedeuten wird. Und ganz am Rande steht die Frage, wie sich digitale Technologien auf das Lernen selbst auswirken können: auf die Lernmittel, auf Prüfungen und Zertifikate und schließlich auf die Institutionen der Bildung selbst. Diesen weniger prominenten Aspekte wird sich der Vortrag widmen.

28. Januar 2020
Soziale Ungleichheit in der Leistungsgesellschaft: Wie Bildung die Lebenschancen der Menschen beeinflusst


Prof. Dr. Michael v. Engelhardt
In unserer modernen Leistungs- und Wissensgesellschaft ist Bildung zum entscheidenden Faktor für die Lebenschancen der Menschen und ihre damit einhergehende Integration in die Gesellschaft geworden. In dem Vortrag wird dargelegt, wie sich in der Geschichte der Moderne das Bildungssystem zur gesellschaftlichen Basisinstitution des Erwerbs und der Vergabe ungleicher Lebenschancen entwickelt hat, wovon gegenwärtig Erfolg und Misserfolg im Bildungssystem abhängen und wie dadurch das weitere Leben der Menschen beeinflusst wird. Dabei wird auch zu diskutieren sein, was zu tun ist, damit sich das allseits anerkannte Bürgerrecht auf Bildung wirkungsvoller als bisher im Sinne einer verbesserten Chancengerechtigkeit durchsetzen lässt.

4. Februar 2020
Bildung für Jung und Alt - 100 Jahre Volkshochschule


Markus Bassenhorst
"Erwachsene sind nicht belehrbar, aber lernfähig" (Horst Siebert)
Die Einrichtung der Volkshochschule feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Welche Bedeutung kommt der Erwachsenenbildung heute zu? Weshalb ist lebenslanges Lernen wichtiger denn je? Dieser Vortrag beleuchtet die Entwicklungen in der deutschsprachigen Erwachsenenbildung und stellt grundlegende Herausforderungen sowie Zukunftsperspektiven des Lebenslangen Lernens dar.

Referent*innen


StD Dr. habil. Stefan Applis
Wiss. Mitarbeiter, Arbeitsbereich Philosophie u. Schule, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU); Privatdozent, Institut für Geographie, Justus-Liebig-Universität Gießen; Seminarlehrer für Philosophie/Ethik, Christian-Ernst-Gymnasium Erlangen
Markus Bassenhorst
Leiter der Volkshochschule Erlangen
Apl. Prof. Dr. Peter Bernhard
Institut für Philosophie, FAU Erlangen-Nürnberg; derzeit Wiss. Mitarbeiter, Stiftung Bauhaus Dessau
Otto Böhm
Philosophiedozent; Mitarbeiter für historisch-politische Menschenrechtsbildung im Nürnberger Menschenrechtszentrum
Prof. Dr. Michael v. Engelhardt
Emeritus am Institut für Soziologie, FAU Erlangen-Nürnberg
Dr. Markus Frankl
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
StDin Sabine Köstler-Kilian
Lehrkraft für Deutsch, Latein und Theater, Gymnasium Fridericianum; derzeit abgeordnet an den Lehrstuhl für Pädagogik, Schwerpunkt Kultur und ästhetische Bildung, FAU Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. Eckart Liebau
Emeritus am Institut für Pädagogik, FAU Erlangen-Nürnberg
Dr. Hans Moritz
Waldorfpädagoge (Fachlehrkraft und Dozent); Erziehungswissenschaftler
Dr. Heinz Neumann-Riegner
Gymnasiallehrer i. R.; Dozent in der Erwachsenenbildung; Autor
Joachim Peters M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft, FAU Erlangen-Nürnberg
Andreas Plöger M.A.
Doktorand am Lehrstuhl für Neueste Geschichte, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Sonja Pohl M.A.
Lehrkraft an der CK-Akademie Nürnberg; Tätigkeit in der Erwachsenenbildung
Stefan Rieger
Dozent für Sprechen und Auftreten am ZiWiS (Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen), FAU Erlangen-Nürnberg
Apl. Prof. Dr. Eckart Severing
Lehrstuhl für Pädagogik, Schwerpunkt Organisationspädagogik, FAU Erlangen-Nürnberg


Professor Dr. Peter Bernhard Kursleitung


Dr. Michael von Engelhardt Kursleitung


Markus Bassenhorst Kursleitung


Dr. Heinz Neumann-Riegner Kursleitung


Joachim Peters M.A. Kursleitung


Dr. Markus Frankl Kursleitung


Andreas Plöger M.A. Kursleitung


Sabine Köstler-Kilian Kursleitung


Dr. Stefan Applis Kursleitung


Dr. phil. Hans Moritz Kursleitung


Apl. Prof. Dr. Eckart Severing Kursleitung

Kurstermine

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vergangene Termine

# Datum Uhrzeit
1. Di., 08.10.2019 19:00–21:00 Uhr
2. Di., 15.10.2019 19:00–21:00 Uhr
3. Di., 22.10.2019 19:00–21:00 Uhr
4. Di., 05.11.2019 19:00–21:00 Uhr
5. Di., 12.11.2019 19:00–21:00 Uhr
6. Di., 19.11.2019 19:00–21:00 Uhr

anstehende Termine

# Datum Uhrzeit
7. Di., 26.11.2019 19:00–21:00 Uhr
8. Di., 03.12.2019 19:00–21:00 Uhr
9. Di., 10.12.2019 19:00–21:00 Uhr
10. Di., 17.12.2019 19:00–21:00 Uhr
11. Di., 07.01.2020 19:00–21:00 Uhr
12. Di., 14.01.2020 19:00–21:00 Uhr
13. Di., 21.01.2020 19:00–21:00 Uhr
14. Di., 28.01.2020 19:00–21:00 Uhr
15. Di., 04.02.2020 19:00–21:00 Uhr

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Volkshochschule Erlangen

Friedrichstr. 19-21
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